12. Juli 2018. Verteilung

Zeichnungen: Dieter Motzel 2018. 

Bodendecker. Irgendwelche gebrauchten Papiere zerstreuen sich immer auf dem Atelierboden. Mit der Zeit bleibt es nicht aus, dass sie eine Grundtonalität bekommen. Farbspuren, Abschürfungen und natürlich Fußtritte. Auf dem rechten Blatt stehen vielleicht deshalb die Haare zu Berge, weil mein Fußabdruck die Frau nur knapp verfehlte.

7. Juli 2018. Grabungsfund im Sommerloch

Abbildung: Dieter Motzel

2. Juli 2018 Noch ein paar Lockvögel

Lockvögel. Ölskizzen auf Leinwand, jeweils 25 x 30 cm. Dieter Motzel

30. Juni 2018 Lockvögel

Lockvögel. Ölskizzen auf Leinwand jeweils 25 x 30 cm. Dieter Motzel

17. Juni 2018 Hüpfen, fliegen, liegen

Toter Vogel. Zeichnung: Dieter Motzel

Hüpfen, fliegen, liegen

Die barmherzige Hand der Natur sucht man gewöhnlich vergebens. Moral ist im großen Plan der Evolution nicht vorgesehen. Am frühen Sonntagmorgen spüre ich schon die Hitze, die der Tag mit sich bringen wird. Die zahlreichen Bürogebäude sind, wie immer am Wochenende, von Menschen entleert und der Verkehr auf den nahen Straßen hält sich noch sehr zurück. In einer Birke, die sich vor vielen Jahren vermutlich selbst in die Grünanlage zwischen den Gebäuden pflanzte (wer sollte ernsthaft eine Birke anpflanzen?), turnen ein paar Vögel. In der Ruhe des beginnenden Tages wirkt ihr Flügelschlag seltsam entrückt, und für mich, der ihre Sprache und ihre Gesten nicht versteht, ist es nur ein Ballett von Flugkünstlern, deren tieferer Sinn, falls er überhaupt vorhanden ist, sich nicht offenbart. Es sind die grünschillernden Fliegen, die sich mir als erstes einprägen. Der Kopf der jungen Elster war komplett damit bedeckt. Als hätte der belgische Künstler Jan Fabre einen flirrenden Vogelkopf aus leuchtenden Chitin-Körpern geschaffen. Kaum zehn Meter weiter liegt ein weiterer Vogelkörper. Ebenfalls eine junge Elster. Vermutlich ein Geschwisterpaar, und es scheint, als hätten die Elstern-Eltern in diesem Jahr das anstrengende Brut- und Fütterungs-Geschäft ganz umsonst erledigt. Ihr Nest hat sich durch ein unerzähltes Drama entleert. Über dem zweiten Vogelkörper hat Jan Fabre seinen Zauberstab noch nicht geschwungen. Er ist noch fliegenfrei. Der langgestreckte Körper liegt einfach da, ohne dass eine äußere Verletzung erkennbar ist. Halb so groß wie ein erwachsener Vogel wirken seine abstehenden langen Beine überdimensioniert. Das Wort „Hupfdohle“ kommt mir in den Sinn, oder so manch gezeichneter Rabe von Wilhelm Busch, bei denen man den Eindruck hat, als würden sie mehr ihren Beinen als den Flügeln vertrauen.

Am nächsten Tag ist alles vorbei. Die zwei toten Jungvögel sind nicht mehr zu finden. Ein Grünspecht zieht eine gelbgrün leuchtende Spur durch die Luft. Ich bleibe am Boden, weil ich meinen Flügeln misstraue.

haushundhirsch

illustrative dinge

dieter motzel